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Machos beim Vorstellungsgespräch

Zum Jahresanfang besetzt die Firma die Stelle des Controllers neu. Unser derzeitiger Controller steigt dann auf zur Büroleitung, als Bindeglied zwischen der kaufmännischen Leitung - also mir - und den einzelnen Abteilungen und übernimmt zusätzlich meine Vertretung.

Für heute Morgen hatten wir den ersten Bewerber geladen.
Von Profil und Bewerbung ausgehend der Richtige für die Stelle.
Dem Bewerber wurde von mir persönlich am Telefon klar und deutlich kommuniziert mit wem er das Gespräch führen wird.

Um gleich einen Eindruck zu erhalten, begrüße ich Bewerber gerne selbst als erstes anstelle der Empfangsdame und lasse ihre ersten Schritte in der Firma auf mich wirken.

So begrüßte ich auch den Herren heute Morgen und stellte mich vor, nur Name keine Position.
Nach einer kurzen Führung durch das Büro-Haus, führte ich ihn in den Besprechungsraum.

Der heutige Bewerber war pünktlich, der erste Eindruck gut, das Auftreten locker und selbstbewusst, dennoch sehr professionell.

Nur dann kam das Gespräch.

Chef und Controller sollten erst später dazu stoßen, weil sie vorher noch eine Besprechung in der Fertigung hatten.
Während ich ihm also Kaffee einschenkte und locker in das Gespräch startete, meinte er plötzlich: "Es ist ja wirklich nett mit Ihnen zu plaudern und ich freue mich, Ihr neuer Kollege zu werden, aber sollte so ein wichtiges Gespräch nicht der Chef anstelle der Sekretärin führen?"
Hätte er am Telefon gut aufgepasst, hätte es bei der Begrüßung in seinem klugen Köpfchen geschnackelt und er hätte gewusst wer ich bin.
Lächelnd streckte ich ihm nochmals die Hand entgegen: "XXX YYY, kaufmännische Leitung, Sie führen das Gespräch mit mir."

Das war nur der Anfang einer Eigentor-Serie des Bewerbers.
Von Professionalität nichts mehr zu spüren.

Sein Erstaunen konnte er nicht zurückhalten: "Wooww. Die Frauenquote greift um sich. Eine Frau stand noch nie über mir *saudämlichesgrinsen* ähhh also beruflich. Sie sind noch ganz schön jung."
"Wir besetzten Stellen nicht nach Geschlecht und Alter, sondern nach Qualifikation."
"Und wenn Sie demnächst Mal schwanger werden? Dann sind die Chancen für einen innerbetrieblichen Aufstieg meinerseits augenscheinlich gegeben? Das wäre eine meiner Fragen gewesen."
"Lassen Sie meine Zukunft ruhig meine Sorge sein. Außerdem wüsste ich nicht, Sie schon eingestellt zu haben."

Innerlich war ich am kochen und wollte das Gespräch gerade abbrechen, da kamen Chef und Controller.
Ich machte die Beteiligten miteinander bekannt und gab dem Chef durch Augenkontakt zu verstehen, dass es sich hierbei um verschwendete Zeit handelt.
Da sagt der Kerl doch rotzfrech zu meinem Chef: "So sieht das also aus, wenn Frauen sich hochschlafen."

Mein Chef beendete das Vorstellungsgespräch sogleich, noch ehe es richtig begonnen hatte...

6.11.13 10:49
 
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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helga (7.11.13 10:20)
Unglaublich, welch ein A....! Gut, dass Du so ruhig geblieben bist und die nonverbale Kommunikation zwischen Deinem Chef und Dir so gut funktioniert.
Lieben Gruß - H.


Markus Hagen / Website (26.4.17 22:57)
Mein Beileid. Aber es stimmt schon, man glaubt gar nicht was man in Besprechungsräumen so alles erlebt!

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